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Der Jaguar XJ Serie I-III, Zeitlose Eleganz

Autor: Arndt Funken

 

Als ich im JAGMAG 123 die Reihe über meine persönlichen Lieblingskatzen begann und Ihnen diese "in loser Folge" ankündigte, konnte ich leider noch nicht ahnen, wie lose diese Folge werden würde. Meine Zeit und meine Energie wurden im vergangenen Jahr für diverse Umbrüche und Neustrukturierungen im beruflichen wie im privaten Sektor benötigt; hinzu kamen viele Veranstaltungen der JAG, wodurch ich ebenfalls Zeit nicht für den Club, sondern mit dem Club verbrachte. Besonders möchte ich hier die Pfingstfahrt der Sektion Nord sowie die Nordlicht-Tour erwähnen, bei denen mir die Nordlichter unter Hans-Werner Grote richtig ans Herz gewachsen sind. Ihr wißt, wie man unvergeßliche Fahrten plant und durchführt ! Nochmals danke, Uschi und Werner, und danke, Joschi.

Endlich kann ich mit Teil 2 fortfahren, der sich um eine Kaufberatung für Fahrzeuge dreht, über die ich jüngst im "Jaguar Enthusiast" die schöne Zeile las ".... it is one of the cars that makes you feel guilty that you have got all this" – die Serie III V 12.

Im Internet-Forum der Jag und auch sonst werde ich oft gefragt, welche Serie III man denn kaufen solle. Ein frühes oder ein spätes Fahrzeug, einen Sechs-oder einen Zwölfzylinder, einen Wagen mit oder ohne Kat, wieviel darf der Wagen gelaufen haben, wieviel Vorbesitzer darf er gehabt haben – ich möchte versuchen, Ihnen diese Fragen heute aus meiner Sicht beantworten, soweit sie den Zwölfzylinder betreffen.

 

Herzlichen Glückwunsch also, das XJ-Virus hat von Ihnen Besitz ergriffen. Gegenwehr ist zwecklos, versuchen Sie erst gar nicht, die Pläne zu verwerfen. Der Virus kommt zurück, nachts, im Urlaub, und vor allem auf der Straße, dann, wenn Sie das wundervolle Hinterteil eines XJ Serie III vor sich an der Ampel erblicken.

 

 

 

A: Grundsätzliches

 

Checken Sie zunächst Ihren Geldbeutel. Stellen Sie fest, wieviel Sie für das Fahrzeug Ihrer Träume ausgeben möchten. Beachten Sie dabei, daß die Folgekosten nach dem Kauf mit dem Alter eines Fahrzeuges exponential steigen können. Ich will sagen: Bevor Sie 5.000 DM in einen 1981-er XJ 12 mit diversen Rostlöchern und unrund laufendem Motor investieren, sollten Sie lieber das Doppelte oder mehr in einen 1987-er Wagen dieser Bauart stecken, beim dem dafür jedoch keine Motorrevision, ein neuer Klimakompressor, oder das Hinterachsdifferential fällig ist. Gerade Neulinge in "unserem Geschäft" fallen allzu leicht auf vermeintlich günstige Angebote herein, unterschätzen die Folgekosten, und das Hobby hört ebenso schnell auf, wie es begonnen hat. Tip Nr. 1 also: Lieber am Anfang etwas mehr investieren, als nachher draufzahlen. Ich glaube nicht, daß man ohne eine gehörige Portion Glück einen XJ Serie III für unter 10.000 DM erwerben kann, der sich in der Folgezeit lediglich mit Öl und Benzin begnügt.

 

Fragen Sie sich, wofür Sie das Auto benötigen und wieviele Kilometer pro Jahr mit der Katze zurückgelegt werden. Es macht wenig Sinn, einen V12 mit 80.000 km auf dem Zähler zu kaufen und damit in zwei Jahren nochmal so viele Kilometer herunterzuspulen. Für Späße dieser Art sind die XJ 40 / 81 oder die späteren Modelle besser geeignet. Sie sind zuverlässiger, und die Betriebskosten sind besser zu überblicken. TIP Nr. 2 lautet: Die Serie III ist nur bedingt alltagstauglich. Bedenken Sie das beim Kauf in jedem Fall.

 

Die Kraftstoffpreise dieser Tage lassen die Fahrt zur Tankstelle auch mit einer Serie III zur Angststrecke werden. Zwar kann man diese zeitweise durch das ungläubige Staunen anderer Verkehrsteilnehmer beim Anblick der Befüllung zweier Tanks kompensieren, aber spätestens an der Kasse hört der Spaß auf. Jaguar hat diese Entwicklung schon früh erkannt und im Jahre 1981 den altbekannten V 12 durch Michael May überarbeiten lassen. Eine neue Zylinderkopftechnik namens "Fireball" ließ den Motor zugleich kraftvoller und sparsamer werden; diese Eigenschaft veranlasste Jaguar, sich von den Worten "High Efficiency" (H.E.) für diesen neuen Motor zu trennen. Sofern Sie also einen V 12 kaufen, kommen Sie an TIP Nr. 3 nicht vorbei, der Ihnen rät, kein Fahrzeug vor der Einführung dieses Motors zu erwerben. Der Kraftstoffverbrauch ist ungleich höher.

 

Schröder, Eichel und Konsorten haben freilich noch mehr Ideen auf Lager, um uns Jaguaristen das Hobby zu verleiden. Die Kraftfahrzeugsteuer zum Beispiel. Einer astronomischen KFZ-Steuer kann man als Serie III V 12 – Pilot eigentlich nur dadurch entgehen, indem man ein katalysatorloses Fahrzeug mit einem Saisonkennzeichen versieht, einen XJ mit Kat kauft, oder beide Maßnahmen idealerweise miteinander verbindet. Die Serie III wurde ab dem Modelljahr (nicht zu verwechseln mit Baujahr) 1990 serienmäßig mit Kat ausgestattet; zu erkennen ist diese Variante an den nunmehr 265 statt 295 PS. Meiner Erfahrung nach (ich hatte sowohl einen 1982-er H.E. ohne Kat als auch einen 1991-er Double Six mit Kat) macht sich der Leistungsverlust nicht nennenswert bemerkbar. Nachrüstkatalysatoren werden zwar angeboten, rechnen sich jedoch mit Gesamtkosten von rund 5.000 bis 6.000 DM kaum, und führen zuweilen zu Problemen im Motormanagement. TIP Nr. 4 will Sie veranlassen, möglichst keinen Wagen ohne serienmäßigen Kat zu kaufen.

 

Äußerlich betrachtet, hat sich an der Serie III in der Bauzeit von 1979 bis 1992 nicht viel verändert. Innerlich jedoch Erhebliches. Grundsätzlich gilt: Je jünger das Fahrzeug Ihrer Wahl ist, umso technisch ausgereifter ist es. So wurde, um nur einige Beispiele zu nennen, im Juli 1986 eine neue Klimaanlage (Mark III) eingeführt, die wesentlich zuverlässiger arbeitete, die Einführung des Kat mit dem Modelljahr 1990 machte durch die Lamda-Sonden eine geänderte Elektrik erforderlich, und das Modelljahr 1991 brachte dem XJ sogar durch ABS das Stottern bei (zumindest beim Bremsen). Kaufen Sie also, TIP Nr. 5 – ein möglichst spätes Auto.

 

Natürlich können diese fünf Regeln nicht bei jedem Kauf berücksichtigt werden. Zu unterschiedlich sind Interessen, Geldbeutel, die Fähigkeiten, selbst Hand anzulegen, und die Anforderungen, die der Enthusiast an seinen XJ Serie III stellt. Grundsätzlich aber sind diese Regeln der erste Schritt zu einem glücklichen Leben mit Ihrer Serie III V 12.

 

Wenn Sie anhand dieser ersten fünf Schritte "Ihren" Jaguar eingekreist haben, nehmen Sie ihn genau in Augenschein. Unterziehen Sie das Fahrzeug folgenden Sicht- und Funktionsprüfungen:

 

B: Rostprüfung

 

Befindet sich

 

Rost in den vier Radläufen ?

Rost im Bereich der Front-und Heckbleche (unter dem Kühlergrill und unter der hinten Stoßstange), besonders an Stellen, an denen zwei Bleche zusammenkommen

Rost hinter den seitlichen Abschlüssen der hinteren Stoßstange ?

Rost um die Scheibenrahmen der Front- und Heckscheibe ?

Rost im Kofferaumunterboden ?

 

Ist

 

Rost sichtbar, wenn Sie alle Bodenteppiche aus dem Wagen entfernen (Klopfprüfung); insbesondere an den Blechen in den Fußräumen zum Motorraum hin ?

 

Sehen Sie

 

Rost im unteren Drittel der Türen (geschieht häufig durch verstopfte Wasserabläufe)

Rost an den Schwellern innen und außen ?

Rost an der Abgasanlage ?

Rost, wenn Sie von unten gegen die Innenkante des Kofferaumdeckels blicken ?

 

Nehmen Sie den Wagen bei der Rostprüfung durchaus hoch – kaufen Sie niemals einen Jaguar, wenn Sie ihn nicht von unten gesehen haben. Die Kaufentscheidung sollte von Grad der Korrosion durchaus abhängig gemacht werden; es gibt noch immer rostfreie Serie III – oder zumindest solche, die mit einem Aufwand von maximal 1000 DM in einen rostfreien Zustand versetzt werden können.

 

B: Gesamteindruck:

 

Achten Sie auf folgendes:

 

Wieviele Vorbesitzer ? (Möglichst wenige; Ideal: 1)

Lackzustand (Lack besonders bei frühen Serie III wegen thermoplastischer Lackierung oft brüchig)

Lückenloses Inspektionsscheckheft ? (Hierbei beachten, daß die 96.000 – er Inspektion kostenintensiv ist. Muß Sie nach dem Kauf eines Fahrzeugs noch erfolgen, werden leicht 4.000 DM fällig).

Originalzustand – Kaufen Sie keine durch Spoiler, Tieferlegung oder sonstigen Unsinn "verunstaltete" Katzen. Ist das Originalradio und das Originallenkrad vorhanden (werden oft ersetzt) ?

Leder in Ordnung oder brüchig ? Die Farbkombination sollte passen; d.h. Außenfarbe und Innenfarbe sollten einen Kontrast bilden. Dunkle Fahrzeuge (in erster Linie natürlich grüne) mit hellem Leder sind sehr beliebt; dagegen sind sind schwarze Wagen mit schwarzem Leder oder gar silberne mit rotem Leder (mir grauste, als ich das sah) weniger gerne gesehen. Weiß gehört auch nicht eben zu den bevorzugten Farben; wobei ich jedoch einen DoubleSix kenne, der in exzellentem Pflegezustand und mit Leder in Isis Blue keineswegs eine schlechte Figur macht.

A propos Figur: Der Leaper gehört nicht auf einen XJ, der nicht nach Amerika ausgeliefert wurde, wenn man einen Wagen im Originalzustand besitzen möchte. Ganz davon abgesehen, daß ich es nicht mag, Löcher in Jaguar-Hauben zu bohren.

Die Laufleistung sollte regelmäßig beim Kauf 150.000 km nicht überschreiten. Erfahrungsgemäß beginnt in diesen Regionen eine erhöhte Störanfälligkeit. Aber auch extrem wenig Kilometer sollten Sie abschrecken; wenn der V12 nur zum Brötchenholen gefahren und niemals Betriebstemperatur erreichte, hat ihm das gewiß nicht gut getan.

 

Ich bin davon überzeugt, daß es sich bei den XJ - Serien I bis III eines Tages um echte Klassiker handeln wird; insofern lege ich Wert auf Originalität. Bis dahin müssen jedoch noch einige Jahre ins Land gehen. Langfristig sind die Fahrzeuge vielleicht Kapitalanlagen; das ist heute jedoch noch nicht so. Gute Fahrzeuge haben Ihren Preis und sind vielleicht heute schon teurer als mancher XJ 40 oder 81, jedoch sollten Sie sich beim Kauf nicht auf eine Wertsteigerung verlassen. Freuen Sie sich, wenn es so ist, aber rechnen Sie nicht damit.

 

 

C: Technik

 

Beginnen Sie eine Probefahrt mit eiskaltem Motor und prüfen Sie die Starteigenschaften. Fahren Sie den Wagen behutsam warm. Bei warmen Motor darf die Wassertemperatur nur unwesentlich über der 90 Grad-Marke liegen. Beobachten Sie die Abgase. Finger weg von einem Fahrzeug mit blauem oder schwarzen Abgasausstoß. Ein kalter V 12 qualmt höchstens weiß vom Kondenswasser, ein warmer überhaupt nicht. Schläuche und andere Verbindungen im Motorraum sollten nicht porös sein; auf den Leitungen der Klimaanlage sollte kein Kondenswasser stehen.

Schaltet sich bei warmen Wetter der zweite Lüfter automatisch ein und aus ? Heizung und Klimaanlage auf Funktion prüfen !!! Die Klimaanlage kühlt in einer Nebenfunktion die Kraftstoffringleitung. Ohne diese Kühlung entstehen Blasen, das Fahrzeug kann stehenbleiben oder gar überhitzen.

Der Motor sollte in der Getriebestellung "N" ruhig rundlaufen. Wenn Sie währenddessen im Jaguar durchgeschüttelt werden, lassen Sie die Finger von diesem Fahrzeug.

Tempomat auf Funktion überprüfen Falls sich der Wagen nur schwammig lenken läßt, sind meistens defekte Lenkungssilentgummis schuld. Diese Probleme treten ab etwa 100.000 km auf und lassen sich ohne größeren finanziellen Aufwand beheben. Schaltet die Dreigangautomatik sauber und ruckfrei ? Nehmen Sie eine Sichtprüfung unten am Getriebe vor – dort sollte es zwischen Motor und Getriebe möglichst dicht sein. Erwarten Sie keinen Jaguar ohne Ölflecken in der Garage. Lediglich die Größe dieser Flecken sollte Sie interessieren: Einige Tropfen unter dem Motor sind bei längeren Standzeiten aufgrund von Korkdichtungen völlig in Ordnung; problematisch wird die Angelegenheit ab handtellergroßer Flecken.

Prüfen Sie die Hinterachse am Differential und an den Seiten auf Dichtigkeit. Prüfen Sie den Bereich um die Zylinderkopfdichtung. Ist diese defekt, wird es richtig teuer.

Versuchen Sie dem Verkäufer Angaben über das Fahrverhalten des Wagens bei hohen Geschwindigkeiten zu entlocken. Die beste Antwort ist: "Für Geschwindigkeiten über 180 km/h war mir der Wagen eigentlich immer zu schade". Will heißen: Der V 12 ist nichts zum Rasen, er möchte, wie gesagt, behutsam warmgefahren und dann "gleitend" bewegt werden. Kilometerleistungen von 200.000 und mehr sollten dann ohne größere Probleme möglich sein.

 

 

 

D: Preise

 

Die Preise hängen stark vom Zustand des Wagens ab; die Angaben können daher nur ein Anhaltspunkt sein. Grob jedoch lassen sich die Fahrzeuge in vier Kategorien unterteilen, die Sie in der folgenden Aufstellung wiederfinden:

 

XJ 12 Serie III

Kategorie Baujahre "Bemerkungen / ""Meilensteine""" Preislage in DM für durchschnittliche*

 

Exemplare per 02 / 2001etwa

 

1. 1979-1981 "erste Fahrzeuge der Serie III, quasi die ""Urversion""" 2000-5000

"Motor ""Pre-HE"", also vor der Verbesserung von Leistung und Wirtschaftlichkeit" , für Liebhaber und Puristen nur wenige gut erhaltene Fahrzeuge vorhanden

2. 1981-1985 "Einführung des verbesserten ""HE""-Motors" 5000-8000

ab 1982 Bremsleitungen geändert

ab 1982 Lenkung geändert

ab 1982 Schaltkulisse der Automatik geündert (neue Anordnung Schaltstufen)

ab Modelljahr 1983 Bordcomputer erhältlich

ab 1984 Tempomat bei Sovereign und Daimler serienmäßig

 

3 1985-1989 "Einführung einer neuen, verbesserten Klimaanlage ""Mark III""" 8000-14000

 

Neue Zentralverriegelungstechnik

ab 1985 Servolenkung *berarbeitet

ab 1986 neues Kühlsystem

ab 1986 Überarbeite Version des GM 400 - Automatikgetriebes

 

4 1989-1992 Katalysator optional ab Werk verfügbar, später serienmäßig 14000-20000

<typolist>

ab 1988 H.E. Version mit G-Kat - kosten ab 5.000,- €, gut erhaltene XJ12 oder vornehmlich Daimler Double Six werden bei 10.000,-€ aufwärts gehandelt (Anm. Kai Hoffmann 2005)

</typolist>

ABS später serienmäßig (Batterie wanderte in den Kofferaum)

ausgereifteste Technik der S III - Modelle GM 400 Automatikgetriebe durch neue Kalibrierung optimiert

ab 1989 neuer Zylinderblock

ab 1990 Kompression geändert (nunmehr 11,5:1)

ab 1990 Servolenkung nochmals geändert (wegen Katalysatoren)

 

* Diese Preisangaben können nat*rlich nur ein sehr grober Anhaltspunkt sein. Preise für Fahrzeuge mit hoher Kilometerleistung und schlechtem Karosseriezustand liegen gewiß unter den Angaben. Preise für perfekt erhaltene

Garagendrittwagen mit Katalysator und exzellenter Technik deutlich darüber.

 

Lieber Forum – Leser, ich habe versucht, Ihnen einige, hoffentlich wertvolle Tips für den Kauf eines XJ Serie III V 12 an die Hand zu geben. Letzlich muß jeder selbstverantwortlich den Wagen seiner Zufriedenheit finden, die Angaben erheben deswegen keine Ansprüche auf Vollständigkeit. Ob Sie sich mutig alleine oder mit kompetenter Beratung an Ihrer Seite auf den Weg machen, ob sie beim Händler oder von privat kaufen, ob Sie sich nun für einen Wagen mit oder ohne Kat entscheiden, ob Jaguar oder Daimler, ob british racing green oder jet black – ich wünsche Ihnen eine glückliche Hand bei der Entscheidung.

 

Ihr

 

Arndt Funken

 


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